Als sich das schöne Wetter eines sonntäglichen Nachmittags hinter das trübe Grau verabschiedete, verbrachte ich einige durchwachsene Stunden in meiner Küche.

Ich bin Herrscher über ein sehr schönes Küchenreich. Eine freistehende Kochinsel mit Fensterblick in die Weite, einem Mix aus weißen Wänden mit Beton- und Türkisakzenten. Das Kochlöffelzepter trohnt auf hellen Arbeitsplatten und spiegelt sich in glänzenden Fronten. Offene Regale und sowieso alles selbst stolz auf Maß gewerkelt.

An besagtem Tag standen Oster-Schokoladen-Nachtisch-Schalen mittels Wasserbombenballons auf dem Plan.

Schokoladenschale mit Ballon

Schokoladenschale mit Ballon

Oster-Schokoladen-Nachtisch-Schalen

Die Luftpumpe ersetzte das Lungenvolumen, während die Schokolade im Wasserbad schmolz. Die Vorbereitungen waren mit dem Einrichten des Versuchsausbaus auf erwähnter mittigen Kochinsel abgeschlossen.

Hochmotiviert und mit kindlicher Naivität nahm das rechte Patscherhändchen einen Ballon und näherte sich dem Schokoladensud. Der Ballon tauchte ins warme Schwarz.

Knall.
Explosion.
Schokospread!

Mit einem eleganten Schwung, wie ihn einst Jackson Pollock versuchte, schleuderte die versammelte Schokoladenpampe durch den Raum. Sie suchte Halt und verlieh meiner vormals weißen Küche einen unnachahmlichen Stracciatella-Anstrich.

Realitätsausblendend und wie in Trance schnappte ich mir routiniert einen weiteren Ballon und wiederholte den Vorgang. Schließlich bin ich ja alles mögliche, aber nicht schlau. Dieser zweite Knall katapultierte mich zurück in das dreckige Hier und Jetzt.

Nach ausgeklügelter Fehleranalyse glaubte ich, die Temparatur der Schokolade sei Schuld und verbrachte die wenigen Minuten Kühlung mit kniefallendem Putzen.

Ok. Alles auf Anfang.  Mit der lauwarmen Tunke funktionierte es einwandfrei. Die schokoladenbeschmierten Wasserballons stülpte ich kopfüber in eine Eierpappe und überließ sie ihrem trocknenden Schicksal.

Ich war froh, dass ich bis hierhin nicht allein rumferkeln musste.

essbare Nachtischschale

essbare Nachtischschale

Das Putzen und Wischen ließ meinen Ärger nur geringfügig schmälern, sodass ich mich gehässig auf das Piesacken der Ballons mittels Nadel vorbereitete.
Mit ein wenig Schadenfreude und zartem Wums ließ ich langsam die Luft aus den Bomben und erhielt diese schönen Schalen.

Gern hätte ich für Fotozwecke diesen Schritt dokumentiert, aber die Gefühle gingen mit mir durch.  1 oder 2 Ballons aufblasen und knoten scheiterte.
Denn ich gehöre zu jenen Menschen, die die Augen kneifen, wenn es was auf die Ohren geben könnte. Naja. Und so sehe ich selten, was ich tue – ergo: keine Ballonbilder.

Dafür aber ein ballonförmiges Nestgitter aus den Schokoresten.

Und als ob das ganze Nachtischprojekt nicht schon etwas stolperig daherkommt, ging die Pannenserie weiter.

Die frischen Erdbeeren erkrankten an Spontanlebensmüdigkeit und verloren sowohl ihre Geschmacksoptik  als auch ihren Frischekick, sodass ich lediglich eine 3/4 Erdbeere ins Bild schnibbeln konnte.

Mein Improvisationstalent griff zu Dekozuckerperlen. Dumme Idee. Denn sie sollten nach nur wenigen Bildern in der Vanillecreme schmelzen. Das war so frustrierend, dass sich just in dem Moment der Kameraakku in den Feierabend verabschiedete…

Optisch machen die essbaren Nachtischschalen einiges her. Aber Schokoladen-Waffel-Eierlikörbecher hätten es rückblickend auch getan.

Das Schokoladengraffiti wandert als die Erkenntnis der Woche zum Creadienstag  und an die art.of.66. Partypinwand.

ins Bild geschnibbelte dreiviertel Erdbeere

ins Bild geschnibbelte dreiviertel Erdbeere

Osterrezept

Osterrezept

Nachtisch zum Osterfest

Nachtisch zum Osterfest

Schokoladennest mit Ballons

Schokoladennest mit Ballons

Schokoladennestgitter mittels Ballon realisiert

Schokoladennestgitter mittels Ballon realisiert

Ballonschalen aus Schokolade

Ballonschalen aus Schokolade

Osternest als Nachtischschale dank Wasserbombenballon

Osternest als Nachtischschale dank Wasserbombenballon